WENDEZEIT. Zukunftsfähige Antworten auf Klimawandel und Energiekrise | 25.10.2022

Informations- und Diskussionsveranstaltung in Kooperation mit der IG Windkraft

Mikl-Leitner bei Energie-Konferenz: „Umbruch nützen wir in Niederösterreich als Chance zum Aufbruch!“

Der Club Niederösterreich und die IG Windkraft veranstalteten am 25. Oktober 2022 im AKW Zwentendorf die Tagung „Wendezeit“ mit dem Ziel, zukunftsfähige Antworten auf Klimawandel und Energiekrise zu finden und das Bewusstsein darüber zu stärken, dass die Energiewende für Niederösterreich vor allem eine große Chance bedeutet. Bei der abschließenden Podiumsdiskussion, die gleichzeitig eine Art Gipfeltreffen der wichtigsten Player des Landes darstellte, bekräftigte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner den Aufbruch beim Ausbau der erneuerbaren Energieträger sowie beim Netz.

„Schützenhilfe“ bei der Umsetzung versprachen Gemeindebundpräsident Johannes Pressl, LK-Präsident Johannes Schmuckenschlager, WK-Vizepräsident Thomas Salzer, EVN-Vorstandsdirektor Stefan Szyszkowitz, Michael Hannesschläger vom Energiepark Bruck/Leitha sowie zahlreiche Akteurinnen und Akteure aus der heimischen Ökoenergie-Szene, die der Konferenz beiwohnten – ein grundlegender Konsens, den Diskussionsleiter Josef Plank vom Raiffeisenverband als unabdinglich bezeichnete: „Es wird die Bündelung sämtlicher Kräfte brauchen, um die Energiewende zu schaffen – bis 2035 und freilich auch weit darüber hinaus. Denn das jetzt ist erst der Anfang.“

Breiter Konsens: Am starken und raschen Ausbau der Erneuerbaren führt kein Weg vorbei!

Zu Beginn der hochklassig besetzten Konferenz, bei der zunächst Birgit Bednar-Friedl vom Wegener Center für Klima und Globalen Wandel die Notwendigkeit rascher und umfangreicher Maßnahmen mehr als deutlich vor Augen führte. Christian Helmenstein, Chefökonom der Industriellenvereinigung, unterstrich, dass der rasche Ausbau von erneuerbaren Energien hohe positive Effekte auf die Wirtschaft und die Beschäftigung in Niederösterreich auslösen könne und für die Wirtschaft von besonderer Bedeutung sei, die größte Herausforderung sei es dabei aber, ausreichend Fachkräfte verfügbar zu haben. Auch Sigrid Stagl von der Wirtschaftsuniversität Wien zeigte die großen Chancen der erneuerbaren Energien für den gesamten Wirtschaftsbereich auf und hob unter anderem das Klimaschutz-Ausbildungszentrum hervor, das derzeit im Waldviertel entsteht.

Nach der theoretischen Betrachtung beleuchtete Franz Angerer, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur, die spezielle Situation Niederösterreichs auch im europäischen Kontext und Michael Hannesschläger, Geschäftsführer des Energieparks Bruck/Leitha, erzählte aus der Praxis in der Umsetzung gelungener erneuerbarer Energie-Projekte, wobei er unter anderem die Doppelnutzung von Flächen für landwirtschaftliche und energetische Produktion vorstellte. Schließlich präsentierte Edith Jaksch von Jaksch& Partner eine brandaktuelle Umfrage zur Wahrnehmung der Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher zu Klimawandel, Engergiekrise und Akzeptanz von Windenergie, die einmal mehr eine hohe Zustimmung zum Ausbau gezeigt hat.

Endlich mehr Wille, über Interessen der eigenen Klientel hinwegzudenken

„Eines der Erfolgsrezepte Niederösterreichs in den 100 Jahren seines Bestehens war es stets, an den großen Umbrüchen der jeweiligen Zeit nicht zu verzweifeln, sondern sie als Initialzündungen für neue Aufbrüche zu nutzen. Genau das werden wir auch jetzt tun und daher an der Energiezukunft des Landes arbeiten“, lautete die zentrale Botschaft von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner.

Eine der großen Herausforderungen stelle dabei auch der Ausbau des Netzes dar, weshalb zu den 92 bestehenden 40 neue Umspannwerke errichtet werden sollen. Eine enorme Herausforderung für die Netzbetreiber, allen voran die EVN, deren Vorstandssprecher Stefan Szyszkowitz sich nichtsdestotrotz optimistisch zeigte, was die Umsetzung angeht. Die EVN werde darüber hinaus auch durch den Ausbau von Wind- und Sonnenstrom sowie durch die Reduktion seiner Treibhausgase seinen Beitrag zu den Klimazielen leisten. Der Vizepräsident der NÖ Wirtschaftskammer, Thomas Salzer, betonte, dass die Unternehmen beste Partner beim Erreichen der Klimaziele seien: „Daher bekennen wir uns zum Green Deal, der auch viele Chancen für unsere Wirtschaft bietet.“ Es brauche ein Bekenntnis zu den entsprechenden Rahmenbedingungen. Johannes Schmuckenschlager, Präsident der NÖ Landwirtschaftskammer, gab sich unmissverständlich: „Wir müssen unsere Potenziale in allen Bereichen der Erneuerbaren Energie heben. Es gilt unsere Ressourcen zu nützen und zu schützen. Das ist die Verantwortung unserer Generation.“ Über Rückenwind seitens des Landes freute sich der Präsident des NÖ Gemeindebundes, Johannes Pressl, wies aber darauf hin, dass die Projekte letztlich auf lokaler Ebene auf den Boden gebracht werden müssen. Dies unterstrich auch Michael Hannesschläger vom Energiepark Bruck/Leitha, der auch zu berichten wusste, dass die Zustimmung der Bevölkerung bei gemeinsamer Umsetzung groß sei.

Erfreut und zufrieden vom allgemeinen Konsens sämtlicher Referent*innen wie auch Diskutant*innen darüber, dass Klimaschutz längst nicht mehr als Bürde, sondern als große Chance erachtet wird, zeigten sich schließlich die Veranstalter hoch erfreut. „Der Ausbau der Windkraft ist eine Lebensversicherung für die heimische Wirtschaft und Garant für eine günstige Stromversorgung“, brachte es Stefan Moidl von der IG Windkraft auf den Punkt. Paul Nemecek und Theres Friewald-Hofbauer vom Club Niederösterreich erörterten abschließend: „Die deutlich spürbare Aufbruchsstimmung in der Politik, in den Interessensvertretungen und schließlich bei jenen, die Projekte planen und umsetzen, lässt hoffen, dass wir tatsächlich zukunftsfähige Antworten auf Klimawandel und Energiekrise geben können.“