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Das Heft 6/2003 der Schriftenreihe des Club Niederösterreich „Frau sein im ländlichen Raum“ ist zum Preis von Euro 4,21 (inklusive 10 % Umsatzsteuer, exklusive Versandspesen) beim Club Niederösterreich, Bartensteingasse 4/16, 1010 Wien, telefonisch unter 01/533 84 01 oder unter der E-Mail-Adresse erhältlich.
Frau sein im ländlichen Raum
... ist der Titel der soeben erschienenen Ausgabe der Schriftenreihe des Club Niederösterreich. Besonderes Interesse dürfte aber vor allem der kryptische Untertitel „Entsage, ertrage und du wirst gesegnet sein“ wecken.
Elisabeth AUFHAUSER

In der regionalpolitischen Szene in Österreich werden derzeit mehrere Denkkonzepte von Regionalentwicklung vertreten. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die zentralen gleichstellungspolitischen Fragen, die zu stellen sind, sehr stark davon abhängen, auf welches dieser Konzepte von Regionalentwicklung Bezug genommen wird. So ist etwa die Regionalpolitik der EU in ihren Grundzügen noch immer darauf ausgerichtet, über die Erhöhung von Mobilität zum Abbau räumlicher Disparitäten beizutragen – etwa durch die Förderung von Investitionen in materielle Infrastrukturen wie Verkehrsverbindungen, Telekommunikationsnetze oder Bildungseinrichtungen.

Viele Maßnahmen, die in derartigen räumlich relevanten sektoralen Politikfeldern ge-setzt werden, orientieren sich jedoch an männlichen Alltagen und Lebenszusammenhängen (bezogen auf den Verkehrsbereich kann das recht sprechend als „Windschutzscheiben“-Perspektive bezeichnet werden) – und fördern dadurch primär die soziale und räumliche Mobilität von Männern. In Bezug auf eine derartige Mobilitätsorientierte Regionalentwicklung muss aus Gleichstellungsperspektive thematisiert werden, wie sektorale Maßnahmen im Bereich der Verkehrs-, Bildungs-, Agrar- oder Industriepolitik umgestaltet werden müssen, damit auch die sozialen und räumlichen Mobilitätsprozesse von Frauen gestärkt werden. Ausgangspunkt aller Überlegungen muss dabei sein, dass die Frauen – gerade jene, die im ländlichen Raum leben – auch heute bereits sehr mobil sind, viele Maßnahmen jedoch nicht auf die Mobilitätsformen abgestimmt sind, die die Frauen präferieren.

Niederösterreich hat eine lange Tradition im Bereich so genannter Eigenständiger Regionalentwicklung. Zentraler Fokus dieses Konzeptes ist es, durch den Aufbau von Beratungsstrukturen und die Förderung von Pilotprojekten zur Aktivierung des endogenen regionalen Potenzials beizutragen. Die Arbeit der Regionalmanagements im ländlichen Raum, die Aktivitäten in der NÖ Dorf- und Stadterneuerung und auch jene in der Gemeinschaftsinitiative LEADER+ bauen relativ stark auf dieser Tradition auf. Bisher wurden die eigenständigen Projekte, die in diesem Rahmen gefördert wurden, vor allem von Männern getragen.

Die großen „Macher“ der Regionalentwicklung waren auch in Niederösterreich in den letzten Jahrzehnten primär Männer. Frauen partizipieren noch immer viel zu wenig an der Entwicklung regionaler Projekte, obwohl gerade im Beratungsbereich „vor Ort“ zunehmend auch Frauen aktiv sind.


Theres FRIEWALD-HOFBAUER

Und trotzdem, Frauen werden geschätzt, auch in gehobeneren Positionen, wenn es sein muss, sogar an den Schalthebeln der Macht. Insbesondere von ihren männlichen Kollegen. Hand aufs Herz, so eine junge Blondine im Minirock im Kreise einer seriösen Herrenrunde im satten Grau ist doch wirklich ein wohltuender Blickfang, auf den man heute nicht mehr verzichten möchte! Zumindest solange es sich dabei um eine verschwindend kleine, schweigsame Minderheit handelt, die sich auf ihre dekorative Funktion beschränkt – was allerdings nicht immer der Fall ist.

Denn zunehmend treten Frauen in Erscheinung, die mehr als in Erscheinung treten wollen – und dies noch dazu auch können, die konstruktiv mitentscheiden, mitgestalten und dabei die Latte so hoch legen, dass Mann oft nur noch mitzuhalten vermag, wenn er sich jener segensreichen Seilschaften bedient, die eben nur Männer haben. Basta.

In jeder Frau steckt ein kleiner Mensch!

Natürlich geht es nicht nur um die Außensicht und Außenbewertung der Lebens- und Arbeitswelt von Frauen, wenn von Frau sein im ländlichen Raum die Rede ist. Lo-gisch, dass Rücksicht genommen werden muss auf die Bedürfnisse und Erwartungen der Gesellschaft im Allgemeinen und auf die der ländlichen Gemeinschaft im Besonderen.

Aber auch was Frauen selbst wollen, darf nicht einfach unter den Teppich gekehrt werden, so sie es wirklich laut und deutlich und immer wieder sagen.

Zum Glück ist das ja noch nicht die Regel, erst recht nicht, dass sie sich ihrer Fähigkeiten und Stärken bewusst sind, dass sie auf ihrem Recht auf Selbstbestimmung beharren, dass sie ihre Schuldgefühle gegenüber Familie und Dienstgeber ablegen, dass sie die Männer in die Familienpflicht nehmen und ihnen damit die Chance einer bereichernden Erfahrung vorenthalten, dass sie bei aller Unterschiedlichkeit in Sein und Wollen geeint auftreten, dass sie sich gegenseitig unterstützen und die Stange halten, wenn andere daran zu sägen beginnen: Männer, die um ihre wohl erworbenen Rechte bangen, Frauen, die an der Richtigkeit ihres Lebensweges keine Zweifel aufkommen lassen und nicht wollen, dass es den anderen vielleicht besser ergehen könnte als ihnen, eine Gesellschaft, die noch immer nicht erkannt hat, dass sie wirtschaftliche und kulturelle Selbstkastration betreibt, wenn sie das schöpferische Potenzial von Millionen Frauen ungenützt lässt.
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